"Eine Reise ins schöne Land" Die Ästhetisierung Japans durch deutsche Reisende um 1900. Reiseberichte als Speicher von Kulturbildern und nationaler Identitäten.

Martin Friedrich Kagel
Kulturgeschichte, Empirische Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte

Reiseberichte sind neben der Information von subjektiven Erfahrungen und sachlichen Inhalten vor allem auch ein Spiegel nationaler Identitäten sowie ein Speicher von Kulturbildern, die immer wieder neu manifestiert, aufgeladen, umgeworfen oder bekräftigt werden. Am Beispiel Japans soll anhand von deutschen Reisenden um 19oo gezeigt werden, wie einerseits ein ästhetisches Japanbild konstruiert wurde, das auf der anderen Seite im Hinblick auf gesellschaftliche Entwicklungen im 19. Jahrhundert gleichsam einen Rahmen bot, über die eigene Herkunftskultur zu reflektieren. An von den Reisenden gezielt ausgesuchten Phänomenen des Morgenlandes (Landschaft, Natur, Religion, Geisha) lässt sich ein japanisches Kulturbild nachzeichnen, das durchaus auch heute noch in unserer Vorstellung lebendig ist und unser Japanbild prägt.