2014 | Speicher

In fünf Panels trugen Studierende aus ganz Deutschland ihre Forschungsarbeiten vor und diskutierten gemeinsam mit den Konferenzteilnehmern über die vielfältigen Aspekte unterschiedlicher Formen von »Speicher«. Die 20 natur- und geisteswissenschaftlichen Studierenden kommen von Hochschulen und Universitäten aus ganz Deutschland und Europa und studieren eine Fächerbreite von Bionik und provinzialrömischer Archäologie über Neurowissenschaften und Psychologie bis hin zu Kulturgeschichte und Kunstwissenschaften. Einige Kommentare zur ZUfo '14 zum Nachhören bei ZU|Daily:

Panel I: Erinnern

Panel II: Regenerieren

Panel III: Prägen

Panel IV: Repräsentieren

Panel V: Bemächtigen

BürgerUni

Wissenschaft soll kein Elfenbeinturm sein. Am Samstagabend lud die ZUfo '14 daher alle Interessierten zur öffentlichen BürgerUniversität mit Christiane zu Salm ein - im Gespräch über die Medienbranche, Kunst und Sterbebegleitung (zum Nachhören in der ZU|Mediathek).

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Christiane zu Salm, 1966 in Mainz geboren, hat sich als erfolgreiche Medienmanagerin einen Namen gemacht. Nach dem BWL-Studium in München und Cambridge (USA) begann zu Salm ihre Karriere im Medienkonzern Bertelsmann bevor sie 1998 als Geschäftsführerin zum Musiksenders MTV wechselte und den Sender mit innovativen TV-Formaten mit Christoph Schlingensief und Christian Ulmen prägte. 2001, wurde Christiane zu Salm Geschäftsführerin des Fernsehsenders 9Live und brachte das Telefon-Quiz ins deutsche Fernsehen. Das Konzept des Sendes, der sich über Telefonanrufe der Zuschauer finanzierte, wurde ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Neben der Karriere in der Medienbranche ist Christiane zu Salm begeisterte Kunstsammlerin. Bereits in den 90er-Jahren begann sie Kunstwerke zu sammeln, sodass sie ihre eigene Kunstsammlung, die About Change, Collection, gründete, die sich im Kern der zeitgenössischen Collage widmet. Ehrenamtlich arbeitet Christiane zu Salm als Sterbebegleiterin und hat dazu ein Buch veröffentlicht. In Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben. hat sie dabei persönliche Nachrufe von Menschen gesammelt, die am Ende auf ihr eigenes Leben zurück blicken.

Workshops

Nachdem Forschung ihren Nährboden aus der Welt zieht, finden wir es wichtig Wissenschaft und Praxis in einen wechselseitigen Austausch zu stellen. Deswegen wurden die wissenschaftlichen Vorträge mit wissenschaftspraktischen Workshops ergänzt, um die theoretisch diskutierten Phänomene und Fragestellungen an realen Fällen zu er- und verproben.

"staubfein" - Heidi Pretterhofer (Architektin)

„MEMORY HAS BECOME STORAGE“ ist der Thema eines Panels, im Abstract wird Elena Esposito zitiert: „We don’t care about forgetting anymore, because we can remember everything.“ Ein bedrohlicher Gedanke, der unmittelbar die Frage aufwirft ob wirklich alles, immer gelagert werden kann, wieviel Inhalt und Material verflüchtigt sich, wird zu ephimeren Staub? Ausgehend von der Getreidelagerung, gehen wir der Frage nach wieviel Substanz sich "verflüchtigt" und verändert. Staub und Schmutz sind eigentlich architektonisches Grundmaterial, Staub ist das Nebenprodukt unserer zivilisatorischen Errungenschaften, der sinnenleerte Rest. Ein kurzer Einführungsvortrag erzählt die "Architekturgeschichte" des Getreidelagerns am Beispiel Niederösterreich, mehr als 150 Silos strukturieren die dortigen Ackerbaugebiete, sie sind Landmark, zufälliges Wahrzeichen der Kulturlandschaft es ausgehenden 20. Jahrhunderts und können auch als "Agrarkirchen" der Region bezeichnet werden. Mittlerweile sind sie nicht nur Speicher sondern auch Sender, und unterhalten den rurbanen Raum. Im Workshop "staubfein" beschäftigen wir uns mit unbeabsichtigten Nebenprodukten (Reibung, Funken ...) von hochrationalisierten Prozessen die eventuell zu unbeabsichtigten Kombinationen (Staubexplosion im Silo) führen können. Welche Möglichkeiten eröffnet Staub? Oder leben wir schon längst in staubfreien Reinräumen? → weitere Informationen

"Eine Zeitreise durch Erinnern und Vergessen" – Stefan Lafaire (Stiftung Stadtgedächtnis Köln)

Erinnerung ist wie ein großer Speicher. Der Zugriff auf diese Erinnerung – das Wissen – bedeutete bis dato Macht. Heute ist es jedoch die Möglichkeit, dieses Wissen zu strukturieren und nutzbar zu machen, die Macht verleiht. Mit der Fülle der gespeicherten Informationen im World Wide Web und der Fülle an gespeicherten Erinnerungen beginnt aber auch ein Nachdenken über eine neue Art des kollektiven Gedächtnisses. Die neuen Speichermedien führen zu einer ähnlich einschneidenden Entwicklungsschwelle wie die Erfindung des Buchdrucks. Was bedeutet es, wenn man Vergessenes, was wir in Schrift oder elektronischen Medien abgespeichert haben, wieder ansteuern kann? Denn bisher galt: "Man erinnert nicht, was gewesen ist, sondern liefert lediglich eine Rekonstruktion dessen, was man in der Vergangenheit bereits selektiv beobachtet hat" (Elena Esposito in ihrem Werk „Soziales Vergessen“).

"Cryptocurrencies" - Jens Wiechers, Manouchehr Shamsrizi und Amadeus Waltz

(weitere Informationen)

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Auszeichnungen

360°-Preis

360° - das studentische Journal für Politik und Gesellschaft verlieh als unser Partner für Publikationen studentischer Forschung einen Preis an den besten Forschungsvortrag im Rahmen der ZUfo 2014. Des Weiteren wurden einige Beiträge aufgrund ihrer guten Passung wird für die kommende Ausgabe von 360° zum Thema "Risiko" ausgewählt und befinden sich in der Veröffentlichung.

ZU|Daily-Preis

ZU|Daily ermöglichte drei Studierenden, die ihre Forschungsarbeit journalistisch gut aufbereiten und darstellen konnten, ihre Arbeit in einem Artikel auf der Plattform vorzustellen:

Kunst

Was bleibt wenn jemand geht? Wie können Eindrücke konserviert werden oder verändern sie sich schon wenn man über sie nachdenkt? Die Frage, wie man Erinnerungen speichern kann und gleichzeitig die Prägungen reflektiert, die man durch Personen und Orte erfährt, beschäftigte Isabella Kinadeter, Masterstudentin an der Zeppelin Universität, in ihrem Fotografieprojekt. Die Bilder zeigen das ehemalige Zuhause der Studentin in verschiedenen Abrisszuständen, die junge Frau selbst in der Kleidung ihrer Großmutter und ausgewählte Stücke aus dem Haushalt. Das Projekt ist eine hochsensible Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, die auf ganz unterschiedliche Weise anrührt. Die Bilder ermöglichen einen intimen Einblick in das Verhältnis zwischen Künstlerin und ihrer Familie – unwillkürlich versucht man diese Vertraulichkeit durch die eigene Anwesenheit nicht zu stören. Simultan zu einem etwas melancholischen Blick in die Vergangenheit entsteht eine Aufbruchsstimmung durch die eigenwillige Bildsprache der Fotografien, die durch die unschuldig brachial wirkenden Aufnahmen des halb zerstörten Hauses wiederum kontrastiert werden.

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