Call for Abstracts

Die ZUfo ist eine interdisziplinäre studentische Forschungskonferenz der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Wir sind der Überzeugung, dass forschungsbegeisterte Studierende spannende Gedanken und neue Ideen in Wissenschaft und Gesellschaft einbringen können. Diesen Studierenden unterschiedlicher Universitäten und Fachrichtungen wollen wir auch in diesem Jahr eine interdisziplinäre Plattform bieten – mit einem mehrtägigen Gedankenaustausch am Bodensee.

In diesem Jahr laden wir zum dritten Mal Studierende aller Fachrichtungen ein, ihre Arbeiten in interdisziplinärem Rahmen zu diskutieren. Willkommen sind Forschungsarbeiten jeglicher Art: von der Hausarbeit, dem Projektbericht, der Abschlussarbeit, dem Research Proposal bis hin zum Promotionsvorhaben: Wir freuen uns auf Dich und Deinen Beitrag!

Das Thema der ZUfo 2015 lautet Un[sicherheit].
Das Streben, Un[sicherheit] einschätzen zu können und effiziente Strategien zum Umgang mit ihr zu finden, begleitet uns in unserer Geschichte, wie in unserer Zukunft. Es begegnet uns in der Politik, auf dem Aktienmarkt, im Unternehmertum ebenso wie in der Liebe und der eigenen Identität. Unsicherheit verunsichert, spornt aber auch an, Sicherheit zu gewinnen.

Du hast in Deiner Arbeit die Un[sicherheit] in einer ihrer zahlreichen Facetten erforscht?
Dann schau Dir unsere Panels an und bewirb Dich mit Deinem Forschungsbeitrag!

Auswahlprozess

Du wählst das passende Panel für Deine Arbeit und reichst einen Abstract von 2.000 bis 3.000 Zeichen bis zum 14.06.2015 hier ein. Ein studentisch besetztes Review Board wählt im so genannten “Doppelblind”-Verfahren aus allen Einreichungen die Beiträge für ZUfo 2015 aus.
Wird deine Arbeit ausgewählt, kannst Du sie in einem 15-minütigen Beitrag auf der Konferenz vorstellen, bevor sie im Plenum diskutiert wird. Du hast dadurch die Möglichkeit, Dein Thema aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und den wissenschaftlichen Diskurs mitzugestalten.

Unsere Panels

  • Un[sicherheit] des Individuums (Freitag 14:30-16:15 Uhr)

    Wie geht jeder einzelne für sich mit Unsicherheit um? Wie werden individuelle Entscheidungen getroffen, angesichts einer ungewissen Zukunft, die immer komplexer wird und immer schnellerem Wandel unterliegt? Welche Anforderungen ergeben sich daraus und welche Ängste? Verstärken Flexibilisierung und und technologischer Fortschritt die Unsicherheit oder sind sie wirksame Gegenmaßnahmen?
    Dieses Panel untersucht Lösungen auf Ebene des Individuums für die Frage nach dem Umgang mit Un[sicherheit] und wie sich dies bspw. auf die Lebensplanung auswirkt. Dafür nimmt es die im Individuum begründete Unsicherheit selbst in den Blick.

    Sarah Sobeczko
    Relevanz von [Un]Sicherheit für junge Flüchtlinge – eine empirisch fundierte Stellungnahme als Beitrag zu einer gelungenen, den UN-Kinderrechtskonventionen entsprechenden, pädagogischen Praxis mit UMF
    „#trainofhope“, „Die Flüchtlingskatastrophe spitzt sich zu“, „German Willkommenskultur“ - wir alle lesen Zeitungen, schauen die Nachrichten und einschlägige Politmagazine. Wir folgen Organisationen und Politikerinnen auf Twitter und kennen vielleicht eine Erstaufnahme- oder Asyleinrichtung in der Stadt, in der wir leben.
    Zeit, sich aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive genau denjenigen zuzuwenden, die Protagonistinnen (massen-)medialer Berichterstattung und abstrahierte Akteure im Rahmen asylrechtlicher Komplexe zugleich sind: Insbesondere in Hinblick auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge offenbart sich eine drastische Forschungslücke, die es im Kontext weltweit ansteigender Fluchtbewegungen dringend zu schließen gilt. In meinem Vortrag beziehe ich mich auf selbst erhobene und qualitativ-interpretativ analysierte Daten bezüglich individueller Fluchtbiografien und hinterfrage die subjektive Sinnzuschreibung, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bezug auf für sie zentrale EU-rechtliche Reformen treffen.

    Constantin May
    Vom Umgang mit Intersexualität und ihrer Stellung im Diversity Management
    Traditionellerweise ordnen westliche Gesellschaften Menschen unmittelbar nach ihrer Geburt einem von zwei Geschlechtern zu, doch es gibt Menschen, die dieses geschlechterdualistische System nicht berücksichtigt. Sie weisen Geschlechtsmerkmale auf, die nicht eindeutig oder dem binären System widersprüchlich erscheinen und für Unsicherheit bei Betroffenen selbst, deren Angehörigen und der Gesellschaft sorgen. Laut Iris Koall bezeichnet Diversity „den Umstand, dass Menschen zugleich immer beides sind: ähnlich und verschieden“.
    Mit Fokus auf Deutschland soll ergründet werden, weshalb die Existenz und Stellung von Intersexuellen im Diversity Management in Theorie und Praxis nicht berücksichtigt wird. Anhand von Schattenberichten und verschiedener Diskurse wird ein Einblick in die Lebenswelt Betroffener gegeben.

    Niklas Egberts
    Vermessung des Selbst. Überlegungen zu Theorie, Geschichte und Gegenwart der Form des quantifizierten Selbst.
    Ausgehend von der Beobachtung, dass in der Quantified-Self eine neue Art der Selbst-Thematisierung entsteht, sucht mein Vortrag nach Möglichkeiten, diese Entwicklung theoretisch zu plausibilisieren und historisch zu kontextualisieren. Im Anschluss an die soziologische Systemtheorie lässt sich argumentieren, dass aus der Umstellung auf funktionale Differenzierung der Gesellschaft Probleme bezüglich der Adressbildung entstehen. Quantifizierende Kulturtechniken erscheinen angesichts dessen als Möglichkeit, diese Probleme zu lösen. Vor diesem Hintergrund werden Techniken der Quantified-Self Bewegung mit Queteléts sozialer Physik, der Bertlillonage und dem Taylorismus verglichen.

  • Management unter Un[sicherheit] (Freitag 17:45-19:45 Uhr)

    "Wo die Grenze der Routine aufhört, können deshalb viele Leute nicht weiter und der Rest kann es nur in sehr verschiedenem Maß." so schreibt Joseph Schumpeter in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Was damals noch auf den für Schumpeter so zentralen Unternehmer gemünzt war, gilt heute für Viele in und außerhalb des Wirtschaftsbereiches. Die neuen, unbekannten Ufer locken mit höherer Rendite, mehr Einfluss und größerem Ruhm die verschiedensten Akteure aus Wirtschaft, Politik und anderen Teilen der Gesellschaft.
    Dieses Panel untersucht, welche Auswirkungen zu beobachten sind, wenn die Grenzen des Bekannten und Vorhersehbaren überschritten werden und die Un[sicherheit] eine andere Form der Führung, der Entscheidungsfindung und der Planung erfordert.

    Julian Stahl
    Über Sinn und Unsinn in Kulturbetrieben
    If you want to make sense of a complex world, you've got to have an internal system that is equally complex. / KARL WEICK
    Ausgehend von der Vermutung, dass sich Kulturorganisationen in einer komplexen und höchst unsicheren Umwelt bewegen, spricht vieles für eine starke interne Ausdifferenzierung der Organisationen, um diese Umweltkomplexität besser verarbeiten zu können. Im Umkehrschluss aber erhöht sich deren interne Komplexität. Es steigt mit zunehmender Ausdifferenzierung die Gefahr der Lähmung und Handlungsunfähigkeit der Organisationen. Es stellt sich also die Frage, wie es Kulturorganisationen schaffen können, mit diesen beiden konträren Herausforderungen umzugehen. Dazu wird das Konzept des Sensemakings in Organisationen vorgestellt, das hier eine moderierende Rolle einnehmen kann. Diese theoretische Perspektive wird mit Hilfe von Beispielen aus einer Feldstudie in zwei maßgeblichen deutschen Konzerthäusern veranschaulicht.

    Alexander Schilin
    Das europäische Parlament als Veto-Macht bei der Bestimmung der europäischen Kommission – Eine Position mit Wirkung ?
    In der medialen Darstellung der letztjährigen Verhandlungen zwischen dem europäischen Rat und dem europäischen Parlament über die Besetzung der europäischen Kommission erschien letzteres als eine Institution, die zur Durchsetzung ihrer Interessen nicht fähig ist. Der europäische Rat konnte trotz teilweise starker Kritik jede seiner Nominierungen durchsetzen. Es stellt sich also die Frage: Welchen Einfluss hat das europäische Parlament im aktuellen Verfahren auf die Besetzung der europäischen Kommission?
    Das regelmäßige Vorkommen der zuvor beschriebenen Verhältnisse in vergangenen Besetzungsprozessen hat die bisherige Wissenschaft dazu verleitet, die Rolle des europäischen Parlamentes als unbedeutend einzustufen.
In diesem Vortrag wird eine theoretische Betrachtung des Prozesses unter Adaption des Rubinstein-Games vorgenommen. Auf diese Weise lässt sich zeigen, dass die zu beobachteten Ereignisse auch das Ergebnis von nach gewissen Kriterien variierend intensiven Anpassungen der nationalen Nominierungsstrategien an die Bedürfnisse des europäischen Parlaments sein könnten. Das Parlament hätte dann einen teilweise entscheidenden Einfluss auf die Besetzung der europäischen Kommission.
    Abschließend wird eine Methode zur Verifizierung der erarbeiteten Hypothesen vorgeschlagen.

    Marianne von Blomberg
    Im antiken China zur "Zeit der streitenden Reiche" gab es 300 Jahre lang wenig, auf dass man sich verlassen konnte: Was feststand, war der ständige Wandel- von Herrschaften, Staatsreligionen, sozialen Bedingungen sowie der wirtschaftlichen Lage. Die politischen Berater jener Zeit waren nach harten Kriterien ausgewählte Profis im Umgang mit Unsicherheit. Schwer zu glauben, wenn man die Übersetzungen ihrer Texte heute liest: Statt starken politischen Pamphleten, wie man sie aus europäischen Krisenzeiten von Politikern kennt, lesen sich ihre Texte eher wie Poetik. Kunstsprache für den Umgang mit Unsicherheit? 

  • Un[sicherheit] der Methoden (Samstag 10:00-12:00 Uhr)

    In Forschung und Therapie, in Lehre und Planung verwenden wir Methoden, um unsere Vorgehensweise zu strukturieren und nachvollziehbar zu machen. Auf diesem Weg gelangen wir systematisch zu Ergebnissen und neuen Erkenntnissen. Methoden dienen der Erforschung von Fragestellungen oder dem Testen von Annahmen. Immer wieder werden sicher geglaubte, methodisch gewonnenen Erkenntnisse aber auch widerlegt, Methoden korrigiert oder für unbrauchbar erklärt.
    Das Panel will sich der unvermeidlichen Un[sicherheit] unserer Erkenntnisinstrumente und Praktiken widmen: Wie können sie analysiert, kritisiert und verbessert werden? Wie verändern sie sich historisch? Wie gehen wir mit ihrer Un[sicherheit] um?

    Lukas v. Petersdorff-Campen
    Auf dem Weg zum Goldstandard? Die Randomisierte Kontrollierte Studie in der Entwicklungszusammenarbeit
    Kann die Armut in Entwicklungsländern mit den Milliarden des Westens ausradiert werden? Oder schadet dieses Geld mehr als das es nützt? Kommt die Unterstützung aus dem Westen wirklich bei den Ärmsten dieser Welt an oder profitieren nur die korrupten Eliten in Entwicklungsländern davon? Die Debatte um die Effektivität der Entwicklungszusammenarbeit scheint mehr Fragen aufzuwerfen als Antworten zu geben. Denn eines fehlt: Wissen darüber, welche Strategien funktionieren und welche nicht. Genau dort setzt die Methode der Randomisierten Kontrollierten Studie an. Doch wo liegen ihre Schwächen und hat sie wirklich das Potential um die Entwicklungszusammenarbeit effektiver zu machen?

    Stefan Andreas Meyer
    Der Denker und die Masse? Gedanken zum Wesen und der Rolle der Politischen Philosophie
    Was ist Politische Philosophie, und wie sollte sie sich gegenüber der Gesellschaft verhalten? Zwei Fragen, die so alt sind wie die politikwissenschaftliche Subdisziplin selbst und die im Lichte der gegenwärtigen gesellschaftlichen und akademischen Rahmenbedingungen neue Beachtung verdienen. Die zunehmende Bedeutung von Drittmitteln ist schließlich eine massive Herausforderung für eine Denktradition, die sich dem Wertfreiheitspostulat bewusst widersetzt und keinen unmittelbaren ökonomischen Nutzen verspricht. Dieser Beitrag setzt sich daher mit dem Selbstverständnis der Politischen Philosophie auseinander. Mit Blick auf die Konzeptionen von Leo Strauss und James Tully macht er sich auf die Spuren einer Politischen Philosophie, die aus den Gegebenheiten der Gegenwart das Beste macht, um sich auch weiterhin ausdrücklich normativ mit politischen Fragen zu beschäftigen.

    Christopher Helm
    Who’s to say who’s an expert?
    Beschreibung: Der Durchschnitt über eine Gruppe von Experten ist besser als ein durchschnittlicher Experte. Un[sicherheit] über die Un[fähigkeit] eines einzelnen Experten kann somit durch die Aggregation von verschiedenen Experten diversifiziert werden. Die Frage ist nun: Welche Experten sollten in einer Gruppe gebündelt werden? Der Beitrag wird ein Modell vorstellen, dass einzelne Experten bewerten kann, um diese in sinnvolle Gruppen einordnen zu können.

    Franziska Quoß
    Globalisation has been focused on from a multitude of perspectives, but the latest global financial crisis added a new one concentrating on the consequences for risks that used to be seperated from each other and have now become interconnected and contagious due to global dependencies. This research paper uses the newest insights into the topic of systemic risk and applies them to another issue of major relevance, climate change.
    This way, I will try to find possible structural similarities between financial and environmental systems and use those insights to assist affected industries such as reinsurance companies to improve their instruments of risk calculation in times of anthropogenic climate change.

  • Un[sicherheit] als produktives Moment (Samstag 13:30-15:30 Uhr)

    Komplexer werdende Phänomene und Interdependenzen brechen tradierte Erwartungsmuster, Handlungsroutinen, kulturelle Gepflogenheiten und Praktiken auf. Das produziert einerseits Unsicherheit, setzt aber andererseits Spontaneität, Improvisation und Kreativität frei. Welche Potentiale liegen also in dem Bruch mit kulturellen Mustern, normativen Regeln und routinehaftem Verhalten?
    In diesem Panel gehen wir dem produktiven Moment von Un[sicherheit] auf den Grund und fragen nach dem (kreativen) Potential von Irritationen.

    Theodor Frisorger
    Das Gleiche, das verunsichert. Serielle Fotografie als Medienreflexion
    Der Vortrag diskutiert verschiedene Positionen serieller Fotografie, etwa Bernd und Hilla Becher oder Eduardo Kac, hinsichtlich ihres ästhetisch verunsichernden Potenzials. Während das Medium Fotografie stetig über eine indexikalische Natur gemeinhin mit der Evidenz und Eindeutigkeit von Sichtbarem assoziiert wird, sieht sie sich durch die Serialität als künstlerische Technik vor eine Herausforderung gestellt. Ihre jeweiligen Bildsujets zeichnen sich serienimmanent durch eine ästhetische Ähnlichkeit aus und rücken somit aber gerade die Varianzen fotografischen Sehens ins Zentrum:
    In wie weit reflektieren nun diese fotografischen Ähnlichkeiten neben dem fotografischen Medium dabei auch das geschriebene Wort? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Distribution und Zirkulation von Bildern?

    Lena-Marie Franke
    „Goldwasser vermischt mit Ruß und Druckerschwärze“ - Unverlässliches Erzählen in Bohumil Hrabals Prosatext „Allzu laute Einsamkeit“
    Ein Erzähler wird „unverlässlich“, wenn das Erzählte in sich nicht stimmig erscheint, häufig die Erzählperspektive wechselt, verschiedene Zeitebenen sich vermischen. Dies kann als ein Spiel des Autors mit dem Leser aufgefasst werden, welches den Leser irritieren und verunsichern kann.
    Ich untersuche die Funktion und Wirkung von unverlässlichem Erzählen in der Erzählung „Allzu laute Einsamkeit“ des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal, welche 1976 entstand, aber in der CSSR nicht offiziell erscheinen konnte. Was bedeutet das Spiel mit Sicherheit und Unsicherheit für einen Text der Untergrundliteratur? Inwiefern geht hier das unverlässliche Erzählen über ein bloßes Stilmittel hinaus?

    Anna Lena Hemmer
    Losen gegen Korruption: Der Zufall als (Un-)Sicherheitsfaktor - Lässt sich Unsicherheit gezielt zur Verhinderung von Korruption nutzen? Meine Antwort lautet „Ja!“
    Mein Vortrag wird das Losen als zufallsbasierten Auswahlmechanismus politischer Kontrollgremien vorstellen und seine Wirkungen auf korrupte Strukturen darlegen: Anhand eines Fallbeispiels aus Südkorea möchte ich zeigen, dass geschickt eingesetzte Unsicherheit die politische Kultur Bezug auf Transparenz, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von Parlamentariern nachhaltig verbessern kann.

  • Un[sicherheit] des Kollektivs (Samstag 17:00-19:00 Uhr)

    Aufgrund der Begriffsgeschichte und der Nähe zum Sozialismus erscheint der Begriff des Kollektivs häufig als verdächtig. Geben Demokratie und freie Marktwirtschaft doch jedem Entwicklungsfreiheit im Rahmen der gesellschaftlichen Grundordnung. Diese Entwicklungsfreiheit wird jedoch von einer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich und gewaltsamen Konflikten immer öfter in Frage gestellt. Bündnisse, Allianzen und Netzwerke bilden sich; aus Staaten, Individuen, NGOs aber auch aus Extremisten. Wie können wir eine gemeinsame Zukunft in einer komplexer werdenden Welt gestalten? Wer reagiert auf globale Probleme wie Terrorismus und Klimawandel?
    In diesem Panel suchen wir nach Antworten der Kollektive auf Un[sicherheit] von der Sharing Economy über direkte Demokratie, multilaterale Bündnissen und Protestkulturen bis hin zu technischen Lösungen um Menschen zu verbinden.

    Edith Aull
    Bekanntschaft und Begrüßung - Identifizierung von Unsicherheitspotentialen im Kontext unterschiedlicher Arten von Bekanntschaften und den daraus folgenden Verpflichtungen in Anlehnung an Goffman
    In meiner (auto)ethnographischen Ausarbeitung beschreibe ich Unsicherheiten, die mit den unterschiedlichen Typen von Bekanntschaft einhergehen: Wie wird man von einem Fremden zu einem Bekannten und von einem Bekannten zu einem engeren Freund? Kann ich wirklich alle meine Freunde in eine der Kategorien einordnen oder gibt es Zwischenstufen? Wie können die unterschiedlichen Kategorien vielleicht sogar taktisch genutzt werden? Welche Strategien gibt es, die uns helfen, mit derartigen Problemen umzugehen? Ich zeige anhand einiger Beispiele aus meinem eigenen Leben und basierend auf Beobachtungen meines Umfeldes, dass es bei der Einordnung einer Person in die richtige Kategorie und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Interaktionsordnung durchaus zu Unklarheiten kommen kann.

    Rasmus Pichler
    Transforming uncertainty into risk – the (de)merits of prediction markets.
    The prediction of uncertain future events can be improved by combining the knowledge and abilities of a large group of people – this is the principle based on which „prediction markets“ attempt to organize collective prediction. They have been shown to yield startlingly accurate predictions in a wide range of areas, covering, for example, political elections or the Academy Awards. This work will attempt to shed light not only on the question of why prediction markets seem to work so well, but also on the question of what function they perform with regard to our knowledge of the future. Drawing upon classic authors of economic theory such as Hayek and Knight, it will be argued that prediction markets perform the function of transforming a situation of uncertainty into a situation of risk, whereas they find their limits in dealing with the more principal issue of unknowability.

    Paul Kumst
    Erhöht (militär-)technologischer Fortschritt eines Landes dessen Unsicherheit?
    Wie über Sicherheit nachgedacht wird ist in Zeiten militärischer Spannungen in der Ost-Ukraine, der Gründung eines „islamischen Staates“ und ungeklärter Auswirkungen des „Global War on Terror“ eine berechtigte Frage.
    Kann es sein, dass die Sicherheitsbemühungen eines Landes in höherer, relativer Unsicherheit münden?
    Ausgehend von der Frage welche Faktoren im 21. Jahrhundert einen Einfluss auf die Landessicherheit haben, wird mit der „Securitization Theory“ eine konstruktivistische Perspektive eingenommen. Aktuelle technologische Entwicklungen, sei es UAV´s („Drohnen“) oder LAWS („Killer Roboter“), verdienen dabei einer näheren Analyse.
    In dem Beitrag wird der Hypothese nachgegangen, dass technologischer Fortschritt – und damit auch die militärische Anwendung – eine erweiterte Bedrohungslage erst erschafft und eben nicht zwangsläufig die Sicherheit eines Landes erhöht.
     

    Lukas Hohmann
    Mit Sicherheit unsicher – die Favelas in Brasilien
    Armut veräußert sich häufig in Form von Armenviertel, zumeist angesiedelt in der Peripherie einer um ein Vielfaches wohlhabenderen Stadtbevölkerung. Man sehe hierzu in die Townships von Südafrika oder die Favelas in Lateinamerika. Die geografische Trennung der Favelas von der übrigen Stadtbevölkerung Rio de Janeiros provoziert bereits Assoziationen an deren Dasein als Systeme.
    Zunächst erfolgt mit den Begriffen Luhmanns eine systemtheoretische Beschreibung des Favela-Phänomens unter der Annahme es handle sich hierbei um soziale Systeme im luhmannschen Sinne. Unter Zuhilfenahme dessen Ideen zu den Formen von Gesellschaft, wird anschließend der Versuch unternommen, das Verhältnis der Favelas zur brasilianischen Regierung, repräsentiert durch die Stadt Rio de Janeiro, zu charakterisieren.
    In meinem Vortrag möchte ich auf Implikationen der potenziellen Systemeigenschaft der Favelas eingehen und mit Hilfe des gewählten Fallbeispiels auf die vielfältige Anwendbarkeit systemtheoretischer Elemente nach Luhmann verweisen.

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